Beitrags-Archiv für die Kategory 'Lyrik'

Mais im Herbst

Freitag, 16. Juli 2021 17:18

Leise, wie Läuten
Ferner Kapellen,
Hörst du den Mais.

Mumientrocken,
Lebender Leichnam
Singt er sein Lied.

Zitternd – vor Ahnung?
Tanzend – vor Freude?
Schaukelnd das Feld.

Warte nur, balde
Flüsterst Dein letztes
Liedchen auch du!

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Komm, Herbst

Samstag, 28. November 2020 9:20

Komm, Herbst, du Schöner,
Du Traubenverwöhner!
Bedecke die Matten
Mit Farben, mit satten,
Du Blättervergolder!
Komm, Herbst, du Holder!

Herbst, sonnig-kühler,
Gedankenaufwühler,
Die Felder entleerend,
Vergehen beschwörend
Als großer Bewahrer.
Herbst, mystisch-klarer!

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Hier sitz ich … (Tag 22 d. C.)

Montag, 6. April 2020 17:09

Hier sitz‘ ich, ans Haus fast gefesselt
Und denk‘ über Sterblichkeit nach.
Das Virus hat uns eingekesselt,
Die Heurigen fall’n alle flach.

Ich lenke den Schritt in den Keller,
Auf dass ich nicht trübsinnig werd‘.
Es werden die Schritte bald schneller:
Die Zukunft liegt unter der Erd‘.

Hier warten vom Wagram die Weine,
Geschützt wohl vor Wetter und Wind,
Die feuchten mir meine Gebeine,
Solang‘ noch nicht fleischlos sie sind.

Und hat auch kein Heuriger offen,
So bleibet doch Bacchus nicht stumm:
Er singt mich gemächlich besoffen,
Und ich sinke virenfrei um.

 

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Des Winters Untrost

Freitag, 13. Dezember 2019 19:25

Es sterben von des Sommers Bäumen
Die Blätter ab, die falben.
Du wälzest Dich in schweren Träumen
Und Untrost – allenthalben.

Vergangenheit ist alle Wärme,
Die Kälte kriecht in Deine Venen.
Du spürst die Würmer im Gedärme,
Erstarrt — in hoffnungslosem Sehnen.

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Abschied

Sonntag, 27. Oktober 2019 7:54

Hoch noch der Mais, doch fahl bald das Gras.
Erkahlend der Acker am Rande der Zeit.
Und sorglos sich paarend die Eintagsfliegen,
Leichtflügelig taumelnd ins Ende des Seins.
Verspätet sind wieder die Admiräle,
Umflügelnd die Blüten und träumend vom Süden,
Da hierorts herbstlich die Stürme bald wüten.
Und allzu strahlende Gedanken
Umwuchern unruhig die dunkelnde Zukunft.

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