Beitrags-Archiv für die Kategory 'Lyrik'

Hier sitz ich … (Tag 22 d. C.)

Montag, 6. April 2020 17:09

Hier sitz‘ ich, ans Haus fast gefesselt
Und denk‘ über Sterblichkeit nach.
Das Virus hat uns eingekesselt,
Die Heurigen fall’n alle flach.

Ich lenke den Schritt in den Keller,
Auf dass ich nicht trübsinnig werd‘.
Es werden die Schritte bald schneller:
Die Zukunft liegt unter der Erd‘.

Hier warten vom Wagram die Weine,
Geschützt wohl vor Wetter und Wind,
Die feuchten mir meine Gebeine,
Solang‘ noch nicht fleischlos sie sind.

Und hat auch kein Heuriger offen,
So bleibet doch Bacchus nicht stumm:
Er singt mich gemächlich besoffen,
Und ich sinke virenfrei um.

 

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Des Winters Untrost

Freitag, 13. Dezember 2019 19:25

Es sterben von des Sommers Bäumen
Die Blätter ab, die falben.
Du wälzest Dich in schweren Träumen
Und Untrost – allenthalben.

Vergangenheit ist alle Wärme,
Die Kälte kriecht in Deine Venen.
Du spürst die Würmer im Gedärme,
Erstarrt — in hoffnungslosem Sehnen.

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Abschied

Sonntag, 27. Oktober 2019 7:54

Hoch noch der Mais, doch fahl bald das Gras.
Erkahlend der Acker am Rande der Zeit.
Und sorglos sich paarend die Eintagsfliegen,
Leichtflügelig taumelnd ins Ende des Seins.
Verspätet sind wieder die Admiräle,
Umflügelnd die Blüten und träumend vom Süden,
Da hierorts herbstlich die Stürme bald wüten.
Und allzu strahlende Gedanken
Umwuchern unruhig die dunkelnde Zukunft.

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Es ist eine alte Geschichte

Samstag, 30. Mai 2015 20:00

“Ich lieb’ dich!” hast du nie gesagt,
Du labtest mich mit Küssen.
“Liebst du mich?” hab’ ich nie gefragt.
Ich glaubte es zu wissen.

Und was in deinen Augen stand,
Hab’ glücklich ich gelesen.
Was ich in deinen Augen fand:
Druckfehler sind’s gewesen.

Du schriebst in deinem ersten Brief:
“Dich werd’ ich immer lieben.”
Das band dich nicht, du hast den Brief
Ja auch nicht unterschrieben.

Nach ein paar Wochen hast du dich
An andre ‚rangeschmissen.
Du unterhieltst dich königlich,
Ich fühlte mich beschissen.

„Es ist nur Spaß, es ist nur Spiel!“
Hast du dich stets entschuldigt
Mir wurde es dann bald zuviel,
Ich hab‘ dem Wein gehuldigt.

Schlußendlich hast du dich liiert
Mit einem reichen Linzer.
Ich hab mich umorientiert
Und steh‘ jetzt mehr auf Winzer.

 

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Eisen, schenk! oder: Günstige Zeit, Versprechen einzulösen

Mittwoch, 21. Januar 2015 22:25

Eisen, schenk! Eisen, schenk!
Deines Worts sei eingedenk,
’s heißt sonst gleich, Du hättst’s gebrochen.
Schenke doch, was du versprochen!
Weißt Du noch die Jammerei
Deiner VS Nummer zwei?
„Wofür braucht’s a Bücherei?
Ebooks sind der letzte Schrei!“
„Fein, und lesen tun wir die
Mit schwarzer Parteimagie?“
Versprechen hält man nun einmal
Am besten erst nach einer Wahl,
Wenn man sie dann noch halten kann –
Denn vorher sind die Wähler dran.

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