Beitrags-Archiv für die Kategory 'Lyrik'

Am Wagram, 4:43 Uhr

Montag, 21. November 2011 19:30

Hinter dem Horizont
Muß es brennen.
Stumm schaust du
- Und starr -
In die Glut.

Wärmend umwabern dich
Gelbrote Flammen
Himmlischen Feuers,
Unserer Nährmutter
Frühe Fanale.

Goldgelb erglänzend
Rollt sie heran,
Rundum gekrönt
Von Protuberanzen,
Die du nur erahnst.

Unwirklich glüht der Hügel
Dich an, fast gespenstisch.
Unirdisch wird dir,
Blickst du dem Licht
Ins Gesicht.

Durch die Rieden gehst du,
Belebt vom Lichte,
Nach Haus,
Und sahst doch den, der spricht:
“Keiner
Schaut mich und bleibt am Leben.”

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Sozialismus heute

Freitag, 26. August 2011 3:04

Ein offener, lyrischer Brief an die Genossen an höchster Stelle

Früher konntest du nicht hinschau’n,
Und heute? Heute schaust du weg.

Früher konntest du nicht riechen,
Wovor du heut’ die Nase rümpfst.

Die früher auf dich setzten, hören,
Wie du zu allem – schweigst.

Und machst du doch einmal den Mund auf,
Sieht man, daß ihm die Zähne fehlen.

Wirst du zum Greis? Für eine Weltidee
Sind hundertfünfzig Jahre doch kein Alter!

Eingetauscht hast du die Zähne
Für ein paar Jahre müder Macht!

Du beißt nicht mehr, du tanzt nur mehr
Auf dem politischen Parkett,
Und rot sind nur mehr deine Fingernägel.

Thema: Gesellschaft, Literatur, Lyrik, Politik | Kommentare (0) | Autor:

Beim Klang der Orgel

Donnerstag, 25. August 2011 3:59

Das machtvoll-zarte Atmen ihres Klanges
Hat schon dein Herz in Frömmigkeit getaucht,
Noch eh‘ der erste Ton ihres Gesanges
Das weihrauchtrunkne Heiligtum durchhaucht.

Sie hebt zu singen an. In ihren Pfeifen
Erbebt, von ernster Botschaft schwer, die Luft.
Akkorde reifen, türmen sich, ergreifen,
Und ahnungsvoll verstummst du, wenn sie ruft.

Zur Reue ruft Register um Register,
Es tönet allversöhnend das Manual,
Und alle Menschen werden dir Geschwister,

Wenn dich ihr Heer von Harmonien umtost.
Du glühst, belebt von ihres Schalles Strahl,
Und ihr „Memento mori“ wird dir Trost

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Strahlende Zeiten

Mittwoch, 24. August 2011 3:11

Zerbebt hat aufs neue
Der All-Erschüttrer
Bebautes Land.

Bebaut von der Hybris,
Die selbst sich aufwirft
Zum Herrn des Alls.

Viel kann sie berechnen,
Doch nichts vermag sie
Vorauszusehn.

Vergangnes vermerkt sie
In den Annalen,
Doch merkt sich nichts.

Zerstrahlt hat aufs neue
Der Erd-Vernichter
Belebtes Land.

Belebt, doch wie lang noch,
Wenn Wermut Wasser
Verbittern wird.

Dann trinke in Hochmut,
Und hoffe, Stolzer,
Daß jemand dir gnädig sei.

 

Nachsatz: 1986 beendete der österreichische Ethologe Otto König eine Folge seiner Sendung Rendezvous mit Tier und Mensch mit etwa folgenden Worten:

In der Apokalypse des Johannes, Kapitel 8, Vers 10-11, steht geschrieben:

10. Und der dritte Engel blies seine Posaune; und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und auf die Wasserquellen. 11 Und der Name des Sterns heißt Wermut. Und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren.

Der Wermut gehört zu den Beifußgewächsen. Die Beifußgewächse heißen auf Russisch “Tschernobylija”.

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Meer sollte er heißen

Dienstag, 23. August 2011 4:08

Aus einem der prachtvollsten
Pokale Polyhymnias
Perlt es beständig
Und glitzert dein Ohr an.

Es glitzert dein Ohr an:
Fragend und wissend,
Verzweifelnd und hoffend,
Trauernd, frohlockend,
Und doch immer hoffend.

Welle um Welle
des mächtigen Meeres
An Tönen erfaßt dich
Gewaltig — gewaltig!
Du aber schwimmst
Harmonisch im Melos.

Staunend erstarrst Du
Und faßt nicht die Größe
Des Werks noch des Willens,
Du läßt dich nur fallen,
Denn seine Musik,
Sie fängt dich und läßt dich
Dein Lebtag nicht los.

Unendlich ist nichts,
Wenn nicht er und sein Gott,
Dem er alles gewidmet.
Und ewig fließt Johann
Sebastian Bach.

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