
{"id":128,"date":"2008-02-29T23:37:13","date_gmt":"2008-02-29T22:37:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.living-lexicon.at\/sudelbuch\/allgemein\/128\/josef-helmut-ettl\/"},"modified":"2008-05-13T21:50:03","modified_gmt":"2008-05-13T20:50:03","slug":"josef-helmut-ettl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.living-lexicon.at\/sudelbuch\/allgemein\/128\/josef-helmut-ettl\/","title":{"rendered":"Josef Helmut Ettl"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.living-lexicon.at\/sudelbuch\/wp-content\/josef_helmut_ettl_regens_chori.JPG\" title=\"Josef Helmut Ettl\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.living-lexicon.at\/sudelbuch\/wp-content\/josef_helmut_ettl_regens_chori.JPG\" alt=\"Josef Helmut Ettl, Regens Chori des K\u00f6nigsbrunner Kammerchores\" align=\"absbottom\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Magier der Musik &#8211; Josef Helmut Ettl in memoriam<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche, ich h\u00e4tte ihn fr\u00fcher getroffen. Aber was ist das f\u00fcr ein Unsinn: ich w\u00fcnsche eigentlich, er h\u00e4tte l\u00e4nger gelebt. Wesentlich l\u00e4nger. Es war mir nur wenig mehr als ein Jahr verg\u00f6nnt, unter seiner Leitung im K\u00f6nigsbrunner Kammerchor zu singen, den er aufgebaut, zu H\u00f6chstleistungen gef\u00fchrt und \u00fcber drei\u00dfig Jahre lang gleichsam um Gottes Lohn geleitet hat.<\/p>\n<p>Nicht da\u00df ich der Musik jemals ferne stand, aber er brachte sie mir noch n\u00e4her, \u00f6ffnete mir die Augen daf\u00fcr, da\u00df ich ihr noch lange nicht nahe genug stand.<\/p>\n<p>Das durch seine eigene Mitgerissenheit Mitrei\u00dfende in seinen Chorproben, sein &#8211; bisweilen verzweifelter &#8211; Eifer, mit denen er oft plausibel machte, warum eine musikalische Phrase genau so zu singen war und nicht anders, nicht so, wie wir sie gerade sangen, seine funkelnden, fast gl\u00fchenden Augen, mit denen er uns beschwor, doch mit Freuden, aus dem Herzen zu singen, wobei seine Stimme fast schon in ein ein Geheimnis offenbarendes Fl\u00fcstern \u00fcberging &#8211; das alles wird mir unverge\u00dflich bleiben, das alles werde ich immer im Ohr, vor Augen haben, in meinen Erinnerungen bewahren, das alles macht auch erkl\u00e4rlich, wie dieser Chor das Niveau erreichen konnte, das er nun hat &#8211; kurzum die ganze Seele, die er in diese Arbeit, in die Musik \u00fcberhaupt hineinlegte. Die Seele, und der Leib, den er gem\u00e4\u00df seiner oft gepredigten, von uns m\u00fcden Choristen aber oft nicht geh\u00f6rig beherzten Devise &#8222;Singen ist Schwerarbeit!&#8220; mit vollem Gewicht in den Kampf gegen verwischte Terzen, kr\u00e4chzende H\u00f6hen und sonstige musikalische Schlampereien warf. Leib und Seele &#8211; das war sein Geheimnis, das Geheimnis jedes Professionisten, und das war das Geheimnis des Erfolges in seinem Beruf und seiner Berufung, in das er uns einzuweihen versucht hat, das er, wie ein Magier einen Zauberspruch, in monotoner Beharrlichkeit wiederholt hat, in der Hoffnung, da\u00df es doch endlich Fr\u00fcchte trage.<\/p>\n<p>Es <em>hat <\/em>Fr\u00fcchte getragen. Das Niveau des Chores beweist es. Dieses Niveau war auch der Grund daf\u00fcr, da\u00df ich mich entschlo\u00df, ein Teil dieses Chores zu werden. Und es war auch der Grund daf\u00fcr, da\u00df mir diese Entscheidung nicht gerade leicht fiel, da ich nicht wu\u00dfte, ob ich dem verlangten K\u00f6nnen \u00fcberhaupt gewachsen war. Ich bin froh, da\u00df ich mich f\u00fcr den Chor entschieden habe, wenn ich auch zuweilen pl\u00f6tzlich orientierungslos in einen fundamentalen Ba\u00df abgeglitten bin: Helmuts &#8222;Wer brummt denn da wieder den Schusterba\u00df?&#8220; hat mir dann meistens wieder den Weg zur\u00fcck in die richtigen Zeilen des Notensystems gewiesen.<\/p>\n<p>Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. &#8222;Der tiefste Ton ist der h\u00f6chste!&#8220; &#8211; &#8222;Vergi\u00df den Hund nicht!&#8220; &#8211; &#8222;Sei eine klingende Lufts\u00e4ule!&#8220;. Teils beginne ich die Bedeutung dieser Aussagen zu begreifen, teils kann ich sie schon umsetzen. Aber immer wieder h\u00f6re ich sie mit seiner Stimme, als ob er vor mir st\u00fcnde, und wenn ich so f\u00fcr mich singe, dann so, als ob seine kritischen Ohren mith\u00f6rten.<\/p>\n<p>Leib und Seele. Sein Leib ist nicht mehr greifbar. Seine Seele singt weiter in mir, in allen, die ihn liebten &#8211; und das m\u00fcssen viele sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Magier der Musik &#8211; Josef Helmut Ettl in memoriam Ich w\u00fcnsche, ich h\u00e4tte ihn fr\u00fcher getroffen. Aber was ist das f\u00fcr ein Unsinn: ich w\u00fcnsche eigentlich, er h\u00e4tte l\u00e4nger gelebt. Wesentlich l\u00e4nger. 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