
{"id":1355,"date":"2020-08-17T09:26:26","date_gmt":"2020-08-17T08:26:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.living-lexicon.at\/sudelbuch\/?p=1355"},"modified":"2020-08-17T09:27:30","modified_gmt":"2020-08-17T08:27:30","slug":"der-kugelflitz-von-fuerzelsruh-wie-koenigsbrunn-zu-seinem-namen-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.living-lexicon.at\/sudelbuch\/literatur\/1355\/der-kugelflitz-von-fuerzelsruh-wie-koenigsbrunn-zu-seinem-namen-kam\/","title":{"rendered":"Der Kugelflitz von F\u00fcrzelsruh: Wie K\u00f6nigsbrunn zu seinem Namen kam"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine M\u00e4rchengeschichte f\u00fcr Gro\u00df und Klein aus dem antiken K\u00f6nigsbrunn<\/em><\/p>\n<p>Vor vielen, vielen Jahren hie\u00df K\u00f6nigsbrunn am Wagram eigentlich F\u00fcrzelsruh. Einerseits weil es dort noch sehr ruhig war, andererseits weil es dort immer f\u00fcrzelte. Das war auch der Grund daf\u00fcr, warum es dort so ruhig war. Es wollte niemand dorthin, weil es immer nach F\u00fcrzen roch &#8211; meistens nur ganz leicht, aber einmal in der Woche ganz erb\u00e4rmlich. Nur die Einheimischen konnten es dort aushalten, weil sie den Geruch schon gewohnt waren &#8211; zumindest den allt\u00e4glichen Geruch. Wenn der Gestank einmal in der Woche bedrohlich anschwoll, war das auch f\u00fcr die h\u00e4rtesten F\u00fcrzelsruher eine Herausforderung. Ein findiger F\u00fcrzelsruher hat dann den Mund-Nasen-Schutz mit Laven\u00addelgeruchseinlage (MuNaSchuLa) erfunden, den konnte man sich dann einfach umschnallen, wenn der Gestank zu aufdringlich wurde. Dann roch es rundherum herrlich nach Lavendel. Nur beim Essen und Trinken war dieser MuNaSchuLa etwas hinderlich. Ein weiterer findiger F\u00fcrzelsruher hat die Erfindung daher verbessert: Mund-Nasen-Schutz mit Lavendelgeruchseinlage und Ver\u00adsor\u00adgungs\u00adzu\u00adfuhr\u00ad\u00f6ff\u00adnungen (MuNaSchuLaVeZuf\u00d6). Hier gab es dann das kleine und das gro\u00dfe Modell: das kleine Modell hatte nur eine \u00d6ffnung f\u00fcr einen Strohhalm, sodass man zumindest mit dem Mund-Nasenschutz trinken konnte. Das gro\u00dfe Modell hatte eine Klappe vor der Klappe, die konnte man \u00f6ffnen und halbe Stelzen in den Mund schieben. Das kleine Modell war aber viel gefragter als das gro\u00dfe. Die F\u00fcrzelsruher waren ja leidenschaftliche Weintrinker, und deshalb erfand ein dritter findiger F\u00fcrzelsruher \u2013 es muss wohl ein Winzer gewesen sein &#8211; das \u201eF\u00fcrzelsruher Weinfasten\u201c: Einmal in der Woche, dem Tag des Gro\u00dfen Gestankes, verzichteten die F\u00fcrzelsruher auf die Aufnahme fester Nahrung und ern\u00e4hrten sich ausschlie\u00dflich fl\u00fcssig, n\u00e4mlich vom heimischen Wein, den der Wagram, ein m\u00e4chtiger Gebirgszug, an dem F\u00fcrzelsruh lag, reichlich zu bieten hatte. Man konnte dann w\u00e4hrend des ganzen Tags des Gro\u00dfen Gestankes den Mund bedeckt halten und sich davor sch\u00fctzen und sich trotzdem dabei lustig ern\u00e4hren.<\/p>\n<p>Aber irgendwann war es den F\u00fcrzelsruhern dann doch ein wenig zu langweilig, so ganz ohne Besucher. Und sie konnten den ganzen Wein, der in F\u00fcrzelsruh gemacht wurde, ja auch unm\u00f6glich selbst trinken, und auch all die vielen Fr\u00fcchte von den Obstb\u00e4umen, das Getreide, das Gem\u00fcse von den Feldern konnten sie nicht selbst essen. Deshalb beschlossen sie eines Tages, dem Ge\u00adruch nach\u00adzu\u00adgehen. Irgendetwas oder irgendjemand musste doch daf\u00fcr verantwortlich sein. Die B\u00fcrgermeisterin, Tina Tacheles \u2013 ja, ja, die F\u00fcrzelsruher waren damals eigentlich sehr modern, sie hatten schon eine Frau B\u00fcrgermeisterin \u2013 sollte eine kleine Expedition ausr\u00fcsten, und dann sollte man in der n\u00e4heren und weiteren Umgebung endlich einmal nach der Ursache des Geruches forschen.<\/p>\n<p>Die wichtigste Aufgabe der Frau B\u00fcrgermeisterin war nun, geeignete Teilnehmer dieser Expedition zu bestimmen. Es ist ja nicht so, dass bei einer solchen Expedition jeder mitmachen kann, nur weil er gerade m\u00f6chte. Man muss schon etwas Besonderes k\u00f6nnen, um dabeisein zu d\u00fcrfen. Der faule Ferdl zum Beispiel, der den ganzen Tag nur in den Weing\u00e4rten herumlag, kam daf\u00fcr \u00fcberhaupt nicht in Frage. Auch die gatschende Gretl, die tagein, tagaus beim Fenster herausschaute und jeden, der vor\u00fcberging, mit ihrer kreischenden Stimme anquatschte, war f\u00fcr so ein Unternehmen nicht geeignet.<\/p>\n<p>Aber Tina Tacheles, die B\u00fcrgermeisterin von F\u00fcrzelsruh, hatte schon einige Mitb\u00fcrger und Mitb\u00fcrgerinnen f\u00fcr diese wichtige Expedition ausersehen. Die Leitung sollte Zacharias Zuzler \u00fcbernehmen. Der hatte zwar einen kleinen Sprachfehler, war aber blitzgescheit (nur weil man ein bisschen anders spricht als der Rest der Welt, hei\u00dft das ja noch lange nicht, dass man einen Huscher haben muss). Um den Schutz der Expeditionsteilnehmer sollte sich Wolfram Walzflach k\u00fcmmern. Der war zwar nicht so gescheit, daf\u00fcr aber gro\u00df und stark \u2013 so einen kann man immer gebrauchen, wenn man nicht genau wei\u00df, ob man vielleicht in eine gef\u00e4hrliche Situation kommt. Und da es bei einer solchen Forschungsreise immer etwas zu bauen oder zu reparieren gibt, musste nat\u00fcrlich auch Leo Laudanum mitkommen, der konnte aus einem Schraubenzieher eine Jausenstation basteln \u2013 vorausgesetzt, er hatte einen zweiten Schraubenziehr dabei. Und weil wir gerade bei der Jausenstation sind: die tollste Jausenstation ist lediglich Dekoration, wenn sie keiner bedient. Deshalb sollte auch Resi R\u00fchrum dabei sein, die f\u00fcr die Verpflegung sorgen sollte. Die war zwar ein bisschen hantig, und einige F\u00fcrzelsruher hatten sie angeblich schon dabei beobachtet, wie sie mit ihrem eigenen Schatten streitet, ihre Kochk\u00fcnste waren aber unbestritten, und solange sie ihre Galle nicht in das Essen verspr\u00fchte, war alles in Ordnung.<\/p>\n<p>Die Mannschaft war also vollst\u00e4ndig, und die Expedition konnte sich auf den Weg machen. Da aber in F\u00fcrzelsruh jeder Furz gefeiert wurde (nur nicht die, die st\u00e4ndig die Luft verpesteten), musste es nat\u00fcrlich ein kleines Fest geben, das die F\u00fcrzelsruher Freiwillige Feuerwehr veranstaltete. Dort wurde der legend\u00e4re Schmollbraten mit Feuersauce serviert, und die Expeditionsteilnehmer konnten sich noch einmal den Bauch so richtig vollschlagen, bevor es in die Wagramer Wildnis ging. Zum Abschied spielte die Musikkapelle der Feuerwehr noch ein kleines St\u00e4ndchen, und am n\u00e4chsten Morgen ging es los.<\/p>\n<p>Die Expedition startete schon um vier Uhr fr\u00fch, man wollte auch die fr\u00fchen Morgenstunden ausnutzen. Nach dem Fest am Vortag waren aber nicht alle richtig ausgeschlafen, deshalb beschloss man, um f\u00fcnf Uhr eine kleine Pause einzulegen. Man wollte eigentlich nur ein bisschen nachdenken, so f\u00fcr eine halbe Stunde. Aber es war eine laaaaaange halbe Stunde, die dauerte bis mittags, erst dann wachten alle wieder auf. Zacharias Zuzler, der Expeditionsleiter, war etwas ver\u00e4rgert, dass der halbe Tag verschlafen war, da er aber schlau war, beschloss er, jetzt nicht aufzubrechen, sondern gleich die Mittagspause anzuschlie\u00dfen. Resi R\u00fchrum grantelte zwar ein bisschen herum, da sie das aber sowieso gemacht h\u00e4tte, schenkte dem niemand Aufmerksamkeit, und alle stellten sich auf das Mittagessen ein. Resi verschwand fluchend in die angrenzende Wiese, erschien \u2013 noch immer fluchend &#8211; wieder mit einer Handvoll frischer Pfl\u00e4nzchen und zauberte im Handumdrehen k\u00f6stliche Kr\u00e4utertschalapinken. Alle schlemmerten und schmatzten und schlugen sich den Bauch voll. Danach konnte sich aber leider niemand mehr bewegen, und ein Mittagsschl\u00e4fchen musste daher einstimmig beschlossen werden. Sogleich fielen alle in den Schlaf, und es wurde um die Wette geschnarcht. Als die Mittagspause dann vor\u00fcber war, war aber leider auch schon der Tag vor\u00fcber. Die Sichel des zunehmenden Mondes stand schon am Himmel, und wozu sollte man jetzt noch herumirren in der Gegend, wenn schon alles dunkel war. Morgen war ja auch noch ein Tag. Also blieb man an Ort und Stelle, machte die Augen zu und schnarchte weiter.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen waren die wackeren Expeditionsteilnehmer noch keine f\u00fcnfhundert Meter von F\u00fcrzelsruh entfernt. Zacharias Zuzler war als erster wach und wieder einmal nicht sehr erfreut \u00fcber den sehr m\u00e4\u00dfigen Erfolg der Expedition. In seinem kleinen schwarzen Heftchen mit Zieselledereinband notierte er sich die verschiedensten Ausreden, warum die Expedition noch immer nicht weiter gekommen war. Dann weckte er Resi R\u00fchrum, die grummelnd und keppelnd aufstand und ein Fr\u00fchst\u00fcck zubereitete. Als dann endlich alle wach waren und gefr\u00fchst\u00fcckt hatten, wollte man dann endlich wirklich aufbrechen.<\/p>\n<p>Man streifte \u00fcber Wiesen und durch W\u00e4lder, alle schn\u00fcffelten und machten ihre Nase lang wie ein Igel auf der Futtersuche, aber man schien der Quelle des Furzgeruches nicht n\u00e4her zu kommen. Nach einem l\u00e4ngeren Marsch, kam man zu einem dichten, fast undurchdringlichen Wald. Da der Furzgeruch intensiver zu werden schien, musste dahinter wohl irgendetwas sein. Aber wie sollte man da durchkommen? \u201eKein Problem\u201c, meinte Wolfram Walzflach und verschwand auch schon unter lautem Krachen im Wald. Hinter sich lie\u00df er einen Trampelpfad, auf dem die Mannschaft bequem durch den Wald gelangen konnte.<\/p>\n<p>Hinter dem Wald war eine Wiese, und am anderen Ende der Wiese sah man einen Hang, in dem sich eine \u00d6ffnung auftat. Das musste so etwas wie der Eingang zu einer H\u00f6hle sein. Vielleicht verbarg sich ja dort drinnen das Geheimnis des Furzger\u00fcche. Die Mannschaft n\u00e4herte sich dem H\u00f6hleneingang, und tats\u00e4chlich, je n\u00e4her sie kam, desto intensiver wurde der F\u00fcrzelgeruch. Alle setzten sich zur Sicherheit den MuNaSchuLa auf, bevor sie die H\u00f6hle betraten.<\/p>\n<p>Keine zwanzig Schritte vom Eingang entfernt war das Ufer eines Sees erkennbar, dessen Wasseroberfl\u00e4che sich im Dunkel der H\u00f6hle verlor. Aus solchen H\u00f6hlenseen entstanden dann sp\u00e4ter die sogenannten Wasserkeller, die im heutigen K\u00f6nigsbrunn so verbreitet sind. Da hier nichts als Wasser, Wasser und nochmals Wasser zu sehen war, musste des R\u00e4tsels L\u00f6sung wohl hier in diesem See zu finden sein. Alle starrten noch gebannt auf die Wasseroberfl\u00e4che, als sie sich pl\u00f6tzlich zu bewegen begann. Zuerst schlug sie nur ganz sanfte Wellen, dann wurde die Wasserbewegung immer heftiger, und pl\u00f6tzlich tauchte eine riesige Kugel mit gr\u00fcnen Schuppen auf. Die F\u00fcrzelsruher erschraken und wollten schon fl\u00fcchten, da erinnerte sie Zacharias Zuzler an die wichtige Aufgabe, die ihnen die B\u00fcrgermeisterin und \u00fcbertragen hatte, da k\u00f6nne man doch nicht einfach weglaufen. Aber falls es jemandem an Mut fehle, gebe es ein Zaubermittel: man m\u00fcsse nur singen, aus voller Kehle singen. Es sei nicht so wichtig, richtig zu singen, es m\u00fcsse nur laut sein. In der Eile hatte er dann auch noch ein kleines Kampfliedchen (Mutlied) komponiert. Dieses kleine Lied sangen nun alle aus voller Kehle, zuerst ganz leise, dann immer lauter, und je lauter sie sangen, desto mutiger wurden sie. Das Liedchen ging so:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Alle F\u00fcrzelsruher schauen auf den See, schauen auf den See,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>eine gr\u00fcne Kugel steigt dort in die H\u00f6h.<\/em><\/p>\n<p>Alle traten nun pl\u00f6tzlich wieder an das Ufer des H\u00f6hlensees heran und wollten die gr\u00fcne Kugel n\u00e4her betrachten. Da sahen sie, dass diese Kugel Augen hatte, und eine kleine Nase und offenbar auch einen Mund, aus dem drei einsame Z\u00e4hne hervorlugten. Als sie so mutig und neugierig um diese gr\u00fcne Kugel herumstanden, \u00f6ffnete sie pl\u00f6tzlich ihren Mund. Es sah so aus, als wollte sie zu sprechen beginnen, und es waren auch ein paar Laute zu vernehmen, die aber niemand verstand. Jetzt war das Geschick von Leo Laudanum gefragt, der flugs ein \u00dcbersetzungsger\u00e4t baute.<\/p>\n<p>\u201eIch bin der Kugelflitz\u201c, t\u00f6nte aus dem \u00dcbersetzungsger\u00e4t. \u201eIch hei\u00dfe so, weil ich wie eine Kugel ausschaue und richtig flitzen kann. Fr\u00fcher bin ich durch die Weinberge geflitzt, jetzt muss ich durchs Wasser flitzen \u2013 pfui!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso musst Du durchs Wasser flitzen? Du kannst doch einfach verschwinden?\u201c, fragte Zacharias Zuzler, noch ganz zaghaft.<\/p>\n<p>\u201eNein, kann ich nicht!\u201c, jammerte der Kugelflitz. \u201eIch hab es mir nicht ausgesucht, hier zu hausen. Ich w\u00fcrde viel lieber im Wein schwimmen. Aber ich bin dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit hier zu verbringen \u2013 und nur, weil mich die Mordthalhexe verw\u00fcnscht hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Mordthalhexe? Wieso hat sie dich verw\u00fcnscht?\u201c, fragte Zacharias Zuzler, der nun jegliche Angst abgelegt zu haben schien.<\/p>\n<p>Der Kugelflitz seufzte einmal ganz lange und erbarmungsw\u00fcrdig und setzte offenbar an, sein Schicksal zu erz\u00e4hlen. Dabei kam ihm aber wieder einmal ein Furz aus, und alle waren froh, dass sie ihre MuNaSchuLa aufhatten, denn der Geruch war trotzdem deutlich zu vernehmen.<\/p>\n<p>\u201eAaaalso, es war so:\u201c, begann der Kugelflitz seine Schilderung. \u201eEs war zu Zeiten, als noch die Mammuts hier durch die Gegend donnerten. Nebenbei: ihr k\u00f6nnt euch nicht vorstellen, wie die erst gefurzt haben. Da h\u00e4tte euch euer Fetzen vor dem Gesicht auch nicht geholfen, dagegen sind meine Furze ein Lercherlschas! \u2013 Aber das ist eine andere Geschichte\u2026 Also wie war das damals mit der Mordthalhexe? Ach ja, wir waren an einem sch\u00f6nen Sommernachmittag bei der Mordthalhexe eingeladen, im Mordthal nat\u00fcrlich, der R\u00fcbenwoswos und ich, zu einem Spielenachmittag. Der R\u00fcbenwoswos war \u00fcbrigens ein komischer Kauz. Er hat sich fast nur von Zuckerr\u00fcben ern\u00e4hrt \u2013 und er hat fast jeden Satz mit den Worten \u201aWos, wos?\u2018 begonnen. Er hat sich n\u00e4mlich sehr oft in Gespr\u00e4che eingemischt, die ihn gar nichts angingen. Wo war ich stehengeblieben? Ah, der Spielenachmittag im Mordthal\u2026 Zuerst haben wir Mammum\u00eda gespielt. Das ist eigentlich ein ziemlich fades Spiel, weil man da nur so rumsitzen und Mammutknochen ordnen muss, deshalb wollte ich dann Rebenrennen spielen. Da muss man sich so richtig bewegen. Mit meiner Flitzerei bin ich da nat\u00fcrlich ein bisschen im Vorteil. Man sucht sich einen Weingarten aus und muss dann durch alle Rebzeilen flitzen. Ich h\u00e4tte da ja sicher gewonnen und h\u00e4tte den Weingarten in Bestzeit hinter mich gebracht. Aber die Mordthalhexe hat gehext, sie hat sich einfach von Rebzeile zu Rebzeile gehext und hatte deshalb die Bestzeit. Sie hat sich aber \u00fcberhaupt nicht bewegt, h\u00f6chstens ihr Hexenbesen hat sich bewegt. Als sie sich dann als Siegerin aufgespielt hat, habe ich heftig widersprochen und gesagt, dass ich der wirkliche Sieger bin. Wir haben dann noch eine Weile herumgestritten, der R\u00fcbenwoswos ist nur daneben gestanden und hat meistens gekichert und \u201aWos, wos?\u2018 gesagt. Ich hab dann vor lauter \u00c4rger einen riesigen Furz in Richtung Mordthalhexe gelassen \u2013 und der hat mordthalm\u00e4\u00dfig gestunken. Und da ist sie dann explodiert, die Hexe. Sie hat mich verflucht und in den H\u00f6hlensee verbannt, damit ich im Mordthal nie wieder einen fahren lassen kann. Fressen darf ich nur einmal in der Woche, und an diesem Tag muss ich dann eben besonders viel furzen. Und seitdem muss ich hier mein Leben fristen \u2026\u201c<\/p>\n<p>Da wurde pl\u00f6tzlich Resi R\u00fchrum hellh\u00f6rig. Unter ihren Vorfahren war auch die eine oder andere Hexe, was ja bisweilen in ihrer ziemlich charmanten Art zum Ausdruck kam.<\/p>\n<p>\u201eAber das ist ja gar nicht wahr\u201c, meldete sie sich zu Wort. \u201eEine Hexe kann nicht ohne Erl\u00f6sungsm\u00f6glichkeit verfluchen. Auch Hexen k\u00f6nnen sich nicht alles erlauben!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, das ist richtig.\u201c, best\u00e4tigte der Kugelflitz. \u201eIch kann diesen H\u00f6hlensee hier verlassen und auch wieder jederzeit essen, wenn ich Hunger habe, wenn ein K\u00f6nig hier vorbeikommt und aus diesem H\u00f6hlensee mindestens zwei Liter trinkt. Aber die K\u00f6nige sind halt leider rar, und die wenigen, die es gibt, kommen kaum hier vorbei. Und wer in dieser Gegend trinkt auch schon zwei Liter Wasser auf einmal.\u201c<\/p>\n<p>Da lachte Zacharias Zuzler pl\u00f6tzlich laut auf.<\/p>\n<p>\u201eWir holen den Karl!\u201c, rief er. \u201eDen Karl K\u00f6nig aus der Blumentalstra\u00dfe! Der wird halt dann einmal Wasser anstatt Wein trinken m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Alle waren hellauf begeistert von der Idee. Man schickte Wolfram Walzflach aus, damit er Karl K\u00f6nig sofort hierher holen sollte. Er machte sich sofort auf den Weg und kam nach etwa einer Stunde mit Karl K\u00f6nig auf den Schultern wieder angaloppiert. Der meckerte und gestikulierte wild herum, aber Wolfram Walzflach hatte ihn fest im Griff, sodass er nicht entfliehen konnte. Als man ihm dann sagte, warum er hier sei und dass er dabei helfen k\u00f6nnte, endlich den Gestank aus F\u00fcrzelsruh zu vertreiben, war auch er pl\u00f6tzlich an der sehr Sache interessiert. Immerhin konnte er dann den Wein ohne st\u00f6renden Hintergrundgeruch genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Nun ging es ans Werk. Karl K\u00f6nig kniete sich am Ufer des H\u00f6hlensees nieder und schnupperte zuerst einmal am Wasser. Da das Wasser ausnahmsweise nicht f\u00fcrzelte wie sonst alles rundherum, sch\u00f6pfte er mit den zum Trinkbecher geformten H\u00e4nden Schluck um Schluck aus dem See und verga\u00df, dass er sonst fast mehr Wein als Wasser trank. Er trank und trank und trank und konnte fast gar nicht mehr aufh\u00f6ren. Da hob pl\u00f6tzlich ein Heulen an, an- und abschwellend, wie eine Alarmsirene, der Kugelflitz begann zu zittern und die Augen zu verdrehen, und pl\u00f6tzlich h\u00fcpfte er aus dem Wasser und begann zu lachen.<\/p>\n<p>\u201eEndlich, endlich kann ich diesen See wieder verlassen und essen, wann ich m\u00f6chte! Liebe F\u00fcrzelsruher \u2013 ich verdanke euch meine neue Freiheit, ihr d\u00fcrft euch daf\u00fcr etwas w\u00fcnschen, und wenn ich euch diesen Wunsch erf\u00fcllen kann, dann werde ich das tun!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa h\u00e4tten wir schon eine Idee.\u201c, meinte Zacharias Zuzler, \u201eVerschone uns bitte in Zukunft mit deinen Furzger\u00fcchen! W\u00e4re das machbar?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenns weiter nichts ist \u2013 diesen Wunsch kann ich euch mit Leichtigkeit erf\u00fcllen. Da ich ja jetzt endlich hingehen kann, wo ich m\u00f6chte, werde ich euch jetzt verlassen. Und ich werde euch immer in guter Erinnerung halten f\u00fcr das, was ihr f\u00fcr mich getan habt.\u201c<\/p>\n<p>Der Kugelflitz flitzte ein paar Meter ins Freie, in die Weing\u00e4rten, dann drehte er sich noch einmal um und winkte, und dann flitze er endg\u00fcltig aus dem Blickfeld, in Richtung Donau.<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich war mit dem Kugelflitz auch der Furzgeruch aus der F\u00fcrzelsruher Luft verschwunden. Die F\u00fcrzelsruher brauchten keinen MuNaSchuLa mehr und konnten jederzeit gefahrlos einen tiefen Atemzug machen. Der Gestank ging, und die Leute kamen (das ist ja nicht immer so, oft kommt ja der Gestank ebenso wie der L\u00e4rm mit den Leuten). F\u00fcrzelsruh war nicht mehr so einsam wie bisher, von rundherum kamen nun Leute, die sich f\u00fcr die hervorragenden Weine interessierten und \u00fcbernachteten sogar im Ort. Da nun aber der Name \u201eF\u00fcrzelsruh\u201c nicht mehr passend f\u00fcr den Ort war, beschloss der Gemeinderat, den Ort zu Ehren des Retters Karl K\u00f6nig umzubenennen. Man war sich zuerst \u00fcber den neuen Namen des Ortes nicht einig. Einige schlugen \u201eKarlsfurz\u201c vor, das war aber komplett daneben, dann kamen noch \u201eK\u00f6nigstrink\u201c und \u201eKarlswasser\u201c als Vorschl\u00e4ge. Letztendlich einigte man sich auf \u201eK\u00f6nigsbrunn\u201c, und der Brunnen oder See, aus dem Karl K\u00f6nig damals getrunken hat, ist noch heute als Wasserkeller zu besichtigen.<\/p>\n<p>Der Kugelflitz aber hatte mittlerweile Tulln erreicht, und seitdem stinkt es dort, besonders zur Zeit der Zuckerr\u00fcbenernte, weil Zuckerr\u00fcben zur Lieblingsspeise des Kugeflitzes geh\u00f6ren und er da besonders heftig furzen muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine M\u00e4rchengeschichte f\u00fcr Gro\u00df und Klein aus dem antiken K\u00f6nigsbrunn Vor vielen, vielen Jahren hie\u00df K\u00f6nigsbrunn am Wagram eigentlich F\u00fcrzelsruh. Einerseits weil es dort noch sehr ruhig war, andererseits weil es dort immer f\u00fcrzelte. Das war auch der Grund daf\u00fcr, warum es dort so ruhig war. 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