Beitrags-Archiv für die Kategory 'Sprache'

Impertinenz

Sonntag, 6. Oktober 2013 17:13

Georg Christoph Lichtenberg erwähnt in seinen Sudelbüchern einen, der so belesen war, daß er jedes Mal „Agamemnon“ statt „angenommen“ las (Quelle auf Zeno).

Heutzutage trifft man wohl eher Deppen, die „Internetprinz“ statt „Impertinenz“ lesen.

Thema: Allgemein, Allotria, Aphorismen, Literatur, Sprache | Kommentare (0) | Autor:

Rettung vor herannahenden Zug

Sonntag, 7. April 2013 11:15

„Passanten retteten Frau vor herannahenden Zug“ stand heute am 7.4.2013 um ca 7:00 Uhr auf der ORF-Website.Da frage ich mich natürlich, wovor die Passanten die Frau denn gerettet haben, denn der Satz sagt nur, wohin sie die Frau retteten, nämlich vor den herannahenden Zug. Es muß jedenfalls etwas sehr Schreckliches gewesen sein, wenn ein herannahender Zug Rettung bedeutet.

Rettung vor herannahenden Zug

Rettung vor herannahenden Zug

Aber das unbekannte Wesen, vor dem man die Frau vor den herannahenden Zug gerettet hat, muß schon einmal aufgetaucht sein, denn schon am 9.12.2009 berichtet salzi.at von einer Rettung vor einen herannahenden Zug:

Rettung vor herannahenden Zug

Schon einmal dagewesen: Rettung vor herannahenden Zug

Vielleicht aber war es nur eine der allzu häufigen Verwechslungen von Dativ und Akkusativ. Was den ORF-Beitrag betrifft, dürfte es wohl so gewesen sein, denn die ORF-Redaktion hat ein paar Minuten nach meinem Aufruf der Website auf „vor herannahendem Zug“ korrigiert, nur mehr Googles Cache ist Zeuge des Lapsus.

Thema: Allgemein, Gesellschaft, Sprache | Kommentare (0) | Autor:

Die Verzungsstimme

Freitag, 1. März 2013 17:37

„Nutzen Sie daher Ihr Recht, zu wählen. Und nutzen Sie die Möglichkeit, unseren Landeshauptmann direkt zu wählen.“ Das sagt uns die landtagswahlwerbende Broschüre „aktuell“ der ÖVP Königsbrunn am Wagram.

Natürlich regt sich die SPÖ Königsbrunn darüber auf und meint in ihrem „Punktgenau“: „Der Landeshauptmann ist bei der Landtagswahl NICHT direkt zu wählen.“

Der angefochtene Satz ist zumindest zweideutig, und ganz unrecht hat die ÖVP-Broschüre nicht. Denn am 3.3.2013, ist – ob es einem paßt oder nicht – der blau-gelbe „Schau’n Sie“ – noch – unser Landeshauptmann. Und diese persona magis vel minus grata kann man direkt wählen, indem man ihr eine Vorzugsstimme gibt. Semantisch läßt sich der Satz insofern also durchaus mit der Niederösterreichischen Landesverfassung in Deckung bringen. Pragmatisch ist es wohl richtig: die ÖVP spielt mit der verfassungsrechtlichen Ignoranz der Bevölkerung und insinuiert, die Landtagswahl sei eine Wahl des Landeshauptmannes und NICHT des Landtags.

Was aber neu ist – und mit der Landesverfassung NICHT kongruent -, ist die „Verzungsstimme“.

Was ist das für ein neues Verfassungsrechtsinstitut, die „Verzungsstimme“? Eine Stimme, die man abgibt, um sich gleich darauf auf die Zunge zu beißen, weil man sie falsch abgegeben hat? Könnte gut sein. Oder eine Stimme, die nicht zählt, weil man sich eigentlich „verzungt“, also versprochen, hat? Auch in Ordnung, wenn das nur für die auf die ÖVP-Kandidaten entfallenden „Verzungsstimmen“ gilt. Ansonsten, würde ich sagen, braucht es schon einen Stopper für diese schleichende Verfassungsänderung durch die ÖVP.

Vielleicht ist es aber nur ein Schreibfehler. „Vorzugsstimme“ ist immerhin ein schwieriges Wort, da darf man schon zwei Fehler machen, zumal als Politiker.

Verzungsstimme

Verzungsstimme

Thema: Allgemein, Allotria, Gesellschaft, Politik, Sprache | Kommentare (0) | Autor:

Gewinnwarnung

Donnerstag, 14. Februar 2013 12:51

Warnung vor dem Sturm: Sturmwarnung
Warnung vor Lawinen: Lawinenwarnung
Warnung vor Verlust: Gewinnwarnung

Welch bezeichnender Euphemismus, den sich die große Hure Wirtschaft hier wieder einfallen hat lassen.

Thema: Allgemein, Gesellschaft, Sprache | Kommentare (0) | Autor:

Mangelhafte „Österreich“-Kenntnisse

Freitag, 21. Mai 2010 7:19

Implosion TV, Österreich, 20.5.2010

Implosion TV, Österreich, 20.5.2010

Nach der Zwischenüberschrift „Wachau“ in obigem höchst dramatischen Artikel wartet man vergeblich auf den Wachaubezug des darauffolgenden Absatzes. Aber außer Kammern, Hadersdorf und Wien gibt es keine weiteren geographischen Angaben, und die können ja wohl nicht gemeint sein, denn meines Wissens beginnt die Wachau beim Förthof, also westlich von Krems, und Hadersdorf ist östlich von Krems, Kammern noch östlicher, und Wien erst recht. Für eine Zeitung, die sich „Österreich“ nennt, sind diese mangelhaften Österreichkenntnisse sehr beschämend. Und wenn man’s nicht weiß, dann hätte man ja nachschauen können. Also schlampig recherchiert auch noch.

Thema: Allgemein, Allotria, Gesellschaft, Sprache | Kommentare (0) | Autor: