Beiträge vom Juni, 2008

Portugiesische Überraschung in Blau

Montag, 23. Juni 2008 18:22

Der Blaue Portugieser hat ja nicht gerade den Ruf einer Spitzenrebsorte; aufgrund des hohen Ertrags, den er ohne Ausdünnung bringt, ist er eher in den untersten Regalen des Massenweinmarktes beheimatet als in den Gipfelregionen des önologischen Olymps.

Daß es natürlich auch Ausnahmen gibt, habe ich heute mit Wohlwollen festgestellt, als ich im hiesigen Weingut Franz Bayer nach einer Flasche eines schlichten Rotweines zum Aufgießen meines Sugo bolognese suchte. Ich griff zum Blauen Portugieser 2000, Ried Hochrain, 11,5 %, trocken, um knappe € 4,-.

Da ich natürlich jeden Wein, bevor ich ihn in meine kulinarischen Elaborate schütte, zuerst verkoste, hab ich das auch mit diesem Portugieser gemacht – und siehe da: die lange Lagerung von doch fast acht Jahren, die Vinifizierung oder beides haben ein unerwartet rundes Tröpfchen entstehen lassen. Was die leichte Nase nach Armagnac ankündigt, setzt sich in Geschmack und Abgang fort, das Verhältnis von Alkohol und Körper ist durchaus noch ausgewogen, wenn auch wahrscheinlich weitere ein, zwei Jahre Lagerung dieses Verhältnis zuungunsten besagten Körpers verschöben.

Wahrscheinlich kein typischer, aber vielleicht gerade deshalb ein sehr gelungener Blauer Portugieser. Und ein Beispiel dafür, daß man mit Aussagen wie „Ein Blauer Portugieser (oder Grüner Veltliner oder ….) schmeckt mir nicht!“ sehr vorsichtig sein sollte. Denn nicht allein die Traube, auch der Winzer macht den Wein.

Ich für meinen Teil habe jetzt mehr von dieser Flasche in mich als in mein Sugo geschüttet.

Leider handelt es sich aber offenbar schon ein Auslaufmodell, da ich es nicht mehr auf der aktuellen Preisliste gefunden habe.

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Im Wartezimmer

Mittwoch, 18. Juni 2008 20:22

Ich dachte immer, im Wartezimmer eines Arztes sei Ruhe angebracht, aus Rücksicht auf die mehr oder weniger großen Leiden der Anwesenden. Das ist und war mir so selbstverständlich wie die Stille in einer Kirche, und ich habe das auch nie anders gekannt – bis ich heute in die Praxis der Vertretung meiner Hausärztin kam. Der Lärmpegel kam durchaus jenem eines Heurigen bei Hochbetrieb gleich, wenn er ihn nicht gar übertraf, und war vorwiegend verursacht durch mehr oder weniger sinnloses, aber meist gut verständliches Geschwätz, was die Sache noch unerträglicher machte.

„Da Schdeina is heid gschtuam!“

„Wooos? Naaa!“

„Des gibts jo ned, den hob i do gesdan nu xeng!“

Letzteres ist wohl die dämlichste Replik auf eine Todesnachricht, die mir je untergekommen ist (und sie hört nicht auf, mir unterzukommen), denn sie setzt offenbar voraus, daß jeder seinen Tod so mindestens zwei, drei Wochen vorher ankündigen muß – Todesanzeige im vorhinein: „Achtung, Achtung! Steiner Peppi gibt sich die Ehre bekanntzugeben, daß er in drei Wochen, das ist der 27. des Monats, aus diesem Leben abtreten wird. Es wird dies ein plötzlicher Tod nach kurzer, schwerer Krankheit werden. Begräbnis wird sein den 31., 14.00 Uhr, Leichenschmaus beim Koarl-Wirt. Ich freue mich auf Euer Kommen, meine Erben auf mein Gehen!“. Eine derartige Anzeige unterlassen, sich am Vortag seines Todes noch auf der Straße zeigen und dann aus heiterem Himmel einfach krepieren, das gilt nicht!

„Geh hearauf! Wos’d ned soxt!“

„Dawäu hoda nix graucht und nix drunga! Minn Rahl isa nu oiwei untawex gwesn!“

Tatsächlich? Auch Nichtraucher und Abstinenzler haben ein Ablaufdatum und sind keine Jünger des ewigen Lebens? Wie überraschend!

„Wia oid woara denn?“

„Zwaradochzg!“

„A so a junga Bua nu!“

Gott sei Dank wurde ich von der Ärztin aufgerufen, und der weitere Verlauf des Gesprächs blieb mir erspart.

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